Sicherheit bedeutet auch, Unsicherheiten auszuhalten
Bei der Werteveranstaltung am 30. September zeigte die Journalistin Salwa Houmsi, wie Menschen in unsicheren Zeiten Orientierung und Sicherheit finden können.
02.10.2026
Wie finden wir Orientierung in einer Welt, die durch soziale Medien, künstliche Intelligenz und Falschinformationen immer komplexer wird? Dieser Frage ging Salwa Houmsi in ihrem Vortrag in der Akademie nach. Rund 120 Gäste erhielten dabei persönliche Einblicke in ihren Berufsalltag als Podcasterin und Moderatorin.
Dabei zeigte die 30-Jährige, wie sich das eigene Sicherheitsgefühl im Laufe der Zeit verändern kann. Als Angehörige der Gen Z habe sie „das Beste aus beiden Welten“ erlebt: eine Kindheit ohne Smartphones und eine Welt, die immer digitaler wird. Heute seien viele Menschen mit Krisen, gesellschaftlichen Umbrüchen und einer kaum überschaubaren Informationsflut konfrontiert. Vollständige Sicherheit sei deshalb kaum erreichbar, so Houmsi. Orientierung und Halt dagegen schon.
Wem vertrauen wir, wenn wir Orientierung suchen?
Traditionelle Medienmarken wie die Tagesschau oder der Spiegel boten vielen Menschen lange Orientierung. Inzwischen knüpft sich Vertrauen laut Houmsi immer stärker an einzelne Journalist:innen, Podcaster:innen oder Influencer:innen. Wer deren Inhalte regelmäßig verfolgt, kann eine sogenannte parasoziale Beziehung entwickeln – also das Gefühl, einer Person nah zu sein, obwohl man sie gar nicht persönlich kennt. Das kann Orientierung geben, prägt aber auch die Art, wie Informationen wahrgenommen und eingeordnet werden. An aktuellen Beispielen aus Politik und Medien verdeutlichte die Journalistin, wie bekannte Persönlichkeiten die Meinungsbildung beeinflussen können. Deshalb sei es wichtig, Informationen kritisch zu prüfen und verschiedene Quellen zu nutzen.
Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht
Auch persönlich habe sie gelernt, mit Unsicherheit umzugehen. Am Beispiel ihres Solo-Podcasts schilderte die Berlinerin, wie schwer es ihr zunächst fiel, ohne Erfolgsgarantie zu starten. Aus dieser Erfahrung gewann Houmsi eine wichtige Erkenntnis:
„Sicherheit entsteht nicht immer durch Kontrolle, sondern oft durch die Bereitschaft, Unsicherheit auszuhalten und den ersten Schritt zu wagen.“
Popkultur für das eigene Sicherheitsgefühl
Zum Abschluss sprach Houmsi über ihren persönlichen Sicherheitsanker: die Popkultur. Musik, Filme und andere kulturelle Angebote könnten gesellschaftliche Entwicklungen aufgreifen, Gefühle ausdrücken und Menschen helfen, mit ihren Sorgen und Fragen nicht allein zu sein.
Für viele Zuhörer:innen bot der Vortrag nicht nur Denkanstöße zum Umgang mit Unsicherheit. Er eröffnete auch neue Perspektiven auf digitale Formate jenseits der eigenen Gewohnheiten. „Das war ein spannender Einblick in eine für mich unbekannte Welt“, fasste ein älterer Teilnehmer seinen Eindruck zusammen. Nach dem Vortrag nahm sich Salwa Houmsi Zeit für persönliche Gespräche mit den internen und externen Gästen.